Das Turnier

Des Ritters Roβe schnaufte wild
die kraftstrotzenden Beine
scharrten im sandig Untergrund
nein, Angst kannte es keine

Der edle Ritter saβ hoch da
hielt fest Lanze und Schild
war auch der Kampfe nun so nah
der nächste Augenblick, der gilt
blieben die Züge ruhig, doch hart
bewuβt des Stoβes Härte
das Auge in die Ferne starrt
sieht dort den Preis zierlich und zart
den jederman begehrte

Die Jungfrau sitzt auf der Tribüne
heut entscheidet sich ihr Glück
besieht die Ritter - stark ist dort der Hüne
doch kehrt ihr Blick zu einem stets zurück

Das Horn erschallt in hohem Ton
die Kämpfer reiten sich entegegen
nach kurzem Augenblicke schon
ist eine Hälfte unterlegen

Die Zeit scheint ewig lang zu werden
das gleiche Bild ein dutzend Mal
sie sprengen sich entgegen auf den Pferden
doch langsam wird der Platz des Kampfes kahl

Nunmehr stehen sich zwei noch gegenüber
gespannte Atmosphäre, heiβer Staub
der eine blickt zum anderen hinüber
die Glieder sind vom Ritt und Stoβe taub

Die neue Lanze bringt der Knappe
die alte brach beim Stoß
der Ritter hebt des Helmes Klappe
legt kurz das Antlitz bloß

Der Jungfraun Herz schlägt nun gar stark
sie blickt den Hünen an
den Andern sie doch lieber mag
und wünscht er würd ihr Mann

Des edlen Ritters Brust füllt Glück
als er das Fräulein sieht
und spürt auf sich den ihren Blick
erkennt dabei, wie nah das Ziel
wenn einmal noch der Andre fiel
wenn einmal dieses noch geschieht

Das Horn ertönt, er hört es kaum
reitet verworren los
läβt zwischen Schild und Lanze Raum
führt ungeschickten Stoβ

Des Hünen Auges scharfer Blick
zielt, die Lanze sticht
zerstört mit einem Schlag das Glück
des Toren Auge bricht