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Der Prinz und der Narr Es war einmal, vor langer Zeit, da lebte ein Prinz Namens Eglund. Er wohnte an der Burg seines Vaters, der ein mächtiges Königreich führte. Der Vater des Prinzen wollte ihn mit einer Prinzessin aus einem anderen groβen Königreich verheiraten. Sie war die einzige Tochter des Königspaares, genau wie der Prinz der einzige Sohn. Jedoch eines Tages trug es sich zu, als der Prinz wieder durch das Land seines Vaters ritt, da traf er auf einem Weg eine Magd, die ihm alleine Barfuβ entgegenkam und sang. Der Prinz ritt nicht alleine. Es waren wie immer drei Wächter bei ihm, um ihm Schutz zu geben. Der junge Prinz betrachtete die Magd und dachte sich: 'Wie schön ist sie und welch hübsche Lieder sie singt. Wenn sie auch keine Prinzessin ist, so ist ihr Reichtum doch die Freiheit. Keine wallenden Gewänder müssen sie schmücken und dennoch ist ihr Gang erhaben.' Noch nie hatte der Prinz seine Gefangenschaft so deutlich gespürt. Noch nie hatte er sich sehnlichster gewünscht einen anderen Menschen einfach ansprechen zu können. Denn er hatte Angst, seine Begleiter könnten seine Unsicherheit bemerken. Und als sie näher heran kamen, verbeugte sich die Magd. Ihre Augen jedoch waren auf den Prinzen gerichtet, und nur kurz trafen sich ihre Blicke. Da spürte er einen heiβen, süβen Schmerz in seinem Herzen und wäre er am liebsten vom Pferd gesprungen und mit ihr des Weges gezogen. Fortan musste der Prinz jeden Tag und jede Nacht an die Magd denken. Die Hochzeit mit der Prinzessin wusste er zu verhindern, indem er seinen Vater überredete, noch ein Jahr zu warten. Wie sollte er es aber schaffen, sich der Magd zu nähern, ohne dass jemand etwas von seiner Liebe zu ihr erführe? Es schien ihm unmöglich. Es kam die Zeit des Jahrmarktes, wo sich viele Menschen im Dorf vor der Burg versammelten und Künstler und Gaukler ihr Können zur Schau stellten. Bunt ging es zu und es war mehr zu sehen, als die Augen eines Menschen einfangen konnten. Die Menschen waren heiter, denn es war immer eine fröhliche Zeit. Doch das Herz des Prinzen war schwer und er hörte die Musik meist nur von weitem. Da erschien eine Gruppe von Gauklern vor dem Tore der Burg. Und unter ihnen war ein lustiger Narr in frecher, bunter Kleidung. Der Prinz besann sich nicht lang. Er lieβ den Narren zu sich bringen und bot ihm viele Silbermünzen, wenn er ihm sein Kostüm für den Tag überlieβe. Der Narr willigte ein und sagte er tue es gern, denn er sehe immer nur Feste und müsse immer nur fröhlich tun. Es war ja leicht verdientes Geld. Der Prinz war ganz froh und sein Herz voller Glück. Er zog im Kostüm des Narren unerkannt durch die Straβen und foppte die Menschen. Ab und zu bekam er auch ein paar Münzen, die er nehmen musste, um nicht erkannt zu werden. Endlich entdeckte er in der Menge die Magd, die beim Ausschank half, und näherte sich ihr. Er trieb seine Späβe mit ihr und wollte gar nicht mehr weg, denn er sah so gerne ihr Lachen. Doch er wusste, er müsse weiterziehen und so sagte er noch "Oh, schönes Kind, ihr brecht gewiss viele Männerherzen!" Sie lachte und gab ihm einen Taler. Dann ging er weiter. Und den ganzen Weg zurück fühlte er noch ihre Hand die seine berühren. Wieder in seinen Gemächern traf er mit dem wartenden Narren eine geheime Abmachung, er solle jedes Jahr wieder zu ihm kommen. Und so gelang es ihm noch drei weitere Jahre, seine Hochzeit mit der Prinzessin aufzuschieben und auf dem Jahrmarkt die Magd zu treffen. Und jedes mal beendete er seine Späβe vor dem Wirtshaus mit einem Spruch zu ihr. Im zweiten Jahr sagte er: "Oh, schönes Kind, wie könnt ihr mit so zierlichen Händen so viel tragen!" Im dritten Jahr: "Oh, schönes Kind, wie wächst doch Jahr um Jahr eure Anmut!" Und jedes mal lachte sie und gab ihm einen Taler. Im vierten Jahr sagte er: "Oh, schönes Kind, seid ihr gar eine Prinzessin?!" Da lächelte sie nur und antwortete "nein, das bin ich nicht." Und wieder gab sie ihm einen Taler und sah ihm in die Augen. Im fünften Jahr jedoch war der Vater der Prinzessin sehr krank, und ihre Heirat duldete keinen Aufschub mehr. Und so wusste der Prinz, dass es sein letzter Tag als Narr auf dem Markt sein würde. Er war nicht so ausgelassen wie sonst. Und als er vor dem Wirtshaus ankam, wo sonst die Magd immer gestanden, sah er sie nicht. Der Wirt bemerkte seine suchenden Blicke und sagte zu ihm: "Du wirst sie nicht mehr finden. Sie ist im letzten Jahr am Fieber gestorben." Da zog der Prinz traurig davon und kein Scherz kam über seine Lippen. Er heiratete die Prinzessin und zog in ihre Burg, um von dort sein Reich zu regieren. Und als auch sein Vater zu alt wurde, vereinte er die Reiche und herrschte als gerechter und von seinem Volk geliebter König über das neue, mächtige Königreich. Jedes Jahr auf dem Markt erzählte man sich Geschichten von dem traurigen Narren, der doch mehrere Jahre die schönsten Späβe getrieben hatte. Aber keine war wahr. Und nur manche sagten, er sei im letzten Jahr so ernst gewesen, wie ihr König. |